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Sprechen

Es ist darauf zu achten, dass der Sprechanteil der Lernenden im Unterricht möglichst hoch ist. Denn 70 Prozent von dem, was wir selbst sagen, behalten wir, hingegen nur 20 Prozent von dem, was wir hören. Daher ist es sinnvoll, dass die Lehrperson möglichst oft die Sozialform wechselt und Partner- sowie Gruppenarbeiten anbietet, bei denen die Schülerinnen und Schüler miteinander sprechen müssen. Außerdem ist es ratsam, auf die Authentizität der Sprache Wert zu legen. Hier ist zwischen „freiem Sprechen“ und „gelenktem Sprechen“ zu unterscheiden: Gelenktes Sprechen findet beim Einüben einer bestimmten Struktur statt, wobei die sprachliche Korrektheit wichtig ist. Es ist notwendig, um Wortschatz und sprachliche Strukturen einzuüben, damit freies Sprechen möglich wird. Beim „freien Sprechen“ geht es um möglichst authentische Sprechanlässe und das Anwenden der Sprache. Dabei sieht die Lehrkraft, ob die Schülerinnen und Schüler in der Lage sind, ihre kommunikativen Absichten auszudrücken. Wesentlich ist hier auch, auf typische Floskeln der Gesprächsstrukturierung (Einleitung, Themenwechsel, Gesprächsende) und auf Feedbacksignale (bzgl. Interesse, Zustimmung, Ablehnung, Erstaunen…) aufmerksam zu machen. Denn es kann kulturelle Unterschiede geben, die zu Kommunikationsproblemen führen können (vgl. Brinitzer, M. u.a: DaF unterrichten, 2013).Zunächst spielt das dialogische Sprechen eine große Rolle. Je höher das Sprachniveau steigt, desto wichtiger wird auch das monologische Sprechen. Hier kann die Motivation des Sprechens durch einen möglichst stressfreien Unterricht erhöht werden (s. Umgang mit Fehlern).

Beispiele für Sprechaktivitäten:

a) Gelenktes Sprechen

  • gegenseitiges Fragenstellen (nach einer bestimmter Struktur) und Beantworten: dazu einen Ball werfen lassen. Diese Übung eignet sich gut, um bestimmte sprachliche Strukturen einzuüben.
  • Dialogteile zusammensetzen lassen: Dialogteile auf Satzstreifen richtig ordnen lassen; Sprecher A+B beachten; zu jedem Papier stellt sich eine Schülerin oder ein Schüler, die oder der den Dialogteil dann zum richtigen Zeitpunkt spricht.
  • Im Anschluss an den Dialog werden Teile umgedreht; zunehmend mehr Teile werden umgedreht, so dass die Schüler immer freier sprechen müssen.

b) Freies Sprechen

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, Schülerinnen und Schüler frei sprechen zu lassen. Spiele bilden dazu eine einfache Möglichkeit. Hier seien nur einige erwähnt: Spielen Schüler Brettspiele (z.B. um Verbformen oder Singular/Plural etc.) oder Quartett, müssen sie zwangsläufig miteinander kommunizieren. Eine andere Form ist die Pantomime: Eine Schülerin oder ein Schüler macht eine Tätigkeit vor, die anderen erraten das passende Verb. Weitere Optionen sind „Koffer packen“ mit oder ohne Bildkarten (bekannter Wortschatz), „Ich sehe was, was du nicht siehst“ oder „Mein rechter, rechter Platz ist leer“. Sinnvoll ist in Bezug auf Letzteres, dass die Person, die an die rechte Seite der Mitschülerin oder des Mitschülers gewünscht wird, fragt, wie sie kommen soll (z.B. Hüpfe auf einem Bein!): So wird zugleich der Imperativ eingeübt. (Bewährt hat sich folgendes Buch, in dem zu 20 Sachfeldern Situationsbilder und passender Wortschatz angeboten werden: Lohfert/Scherling: Wörter, Bilder, Situationen. Berlin: Langenscheid, 1983.) Auch Bilder bieten sich als Sprechanlässe an. Dazu können Wimmelbilder verwendet werden oder Bilder, auf denen eine bestimmte Situation dargestellt ist. Damit kann ein neues Thema (z.B. im Haus, krank sein, der Umzug…) eingeführt werden. Für die Progression ist es wichtig, dass sich im Unterricht nicht eine Sprechsituation an eine Ähnliche reiht, sondern dass bekannten Anlässen unterschiedliche Verläufe gegeben werden: Variation des Ortes, der Situation, des Partnerbezugs, der Redemittel, des Gesprächsausgangs…

Weitere Übungsformen zum freien Sprechen:

Rumpfdialog (zur Wiederholung oder Vertiefung): den Lernenden werden „chunks“ („Brocken“) oder typische Floskeln als Sprechanlass gegeben. Damit soll in Partnerarbeit ein Dialog mündlich entwickelt werden. Gesprächsphasen wie Begrüßung und Verabschiedung müssen beachtet werden. Auch können wichtige Floskeln der Gesprächsstrukturierung vorgegeben werden, welche die Lernende dann in ihren Dialog einbauen müssen.

Szenenkette: Alle befinden sich im Stuhlkreis; zwei Personen der Schülerschaft beginnen spontan, einen Teil eines Dialoges zu sprechen, z.B.: „Drei Eier, bitte.“; Person zwei muss sofort die Situation erfassen und reagieren, später ersetzt Person drei die erste Person und beginnt einen neuen Dialog.

Aus einer schriftlichen Grammatikübung eine Sprechaktivität entwickeln Bsp.: Die Schülerinnen und Schüler sollen zunächst zur Festigung der grammatischen Struktur den Lückentext zum Perfekt mit Aussagesätzen ausfüllen. Anschließend bilden sie daraus Fragen für einen Fragebogen, mit dem sie ihre Mitschülerinnen und ihre Mitschüler interviewen (Ich ________ in Urlaub ________ (fahren) → Wer ist in den Ferien in Urlaub gefahren?).