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Schreiben

Schreiben erfordert durch die zeitversetzte Kommunikation ein hohes Maß an Planung, Explizitheit, Eindeutigkeit und eine gewisse Sicherheit im Umgang mit sprachlichen Strukturen und grammatischen Regeln. Außerdem wird der nötige Wortschatz gebraucht, um selbst Texte zu verfassen. Oft gibt es eine große Diskrepanz zwischen der mündlichen und schriftlichen Ausdrucksweise bei Lernenden. Auch wenn sich diese meist mündlich schon verständlich machen können, so fällt es ihnen oft noch schwer, das, was sie sagen wollen, auch zu verschriftlichen. Sprachliche Fehler (Grammatik, Satzbau) sind hier sehr viel offensichtlicher. Auch grammatikalische Regeln, die ihnen bekannt sind, werden häufig nicht angewendet, weil die Anwendung der Regel große sprachliche Sicherheit erfordert. Die Schreibfähigkeit zu trainieren ist zudem sehr wichtig, um die Schülerschaft von der Alltagssprache (mündlicher Sprachgebrauch) hin zur Verwendung von Fach- und Bildungssprache zu führen. Diese Fähigkeit brauchen sie, um in Regelklassen gut zurechtzukommen und Bildungsabschlüsse erreichen zu können.

Wichtig ist es, von Anfang an schreiben zu lassen. Voraussetzung für ein angstfreies Schreiben der Schülerinnen und Schüler ist ein entspannter Umgang der Lehrkraft mit Fehlern. Schreiben kann viele Funktionen haben:

  • um Inhalte zu fixieren und sich zu merken
  • um sprachliche Strukturen einzuüben
  • um orthographisch richtig schreiben zu üben
  • um über Erlebtes, Erfahrenes zu berichten
  • um etwas (Gegenstand, Vorgang, Geschichte) zu beschreiben
  • um einen Bericht zu schreiben (z.B. zu einem Unfall)  etc.

An dieser Stelle soll es um die Zielfertigkeit Schreiben, nicht um Rechtschreibung gehen. Zu Beginn des Sprachlernprozesses wenden sich die Schülerinnen und Schüler eher in einzelnen Sätzen zu, beispielsweise, einem Bild äußern, in einigen Sätzen aufschreiben, was sie am Wochenende gemacht haben, oder über ihren Tagesablauf schreiben. Auch erste Dialoge (z.B. beim Arzt, am Bahnhof etc.) können in Partnerarbeit verschriftlicht werden. Im zweiten Lernjahr werden die Schreibaufgaben komplexer und umfangreicher: Ganze Texte werden nun verfasst. Beispiele hierfür sind das Verfassen von Bildergeschichten oder e-mails/ Briefen, Vorgangs- und Gegenstandsbeschreibungen.

Um Bildergeschichten verfassen zu können, brauchen Schülerinnen und Schüler Unterstützung beim Textaufbau, beim Wortschatz etc. Die folgenden beiden Bücher haben sich dabei bewährt:

  • E.O. Plauen Deutsch mit Vater und Sohn. Ausgewählt und mit Übungsvorschlägen versehen von Franz Eppert, München: Hueber, 2001
  • v. Gramm, Elisabeth: Texte aufbauen mit Bildergeschichten. Schaffhausen, Schubi, 2008

Auch kreative Schreibaufgaben wie das Erstellen von Akrostichons oder von Elfchen sowie das Schreiben zu Bildimpulsen o.ä., aber auch das generative Schreiben  gehören dazu. (Im Zusammenhang mit dem „generativen Schreiben“ ist Gerlind Belke zu nennen.)

Beim Verfassen bestimmter Textsorten (z.B. Bildergeschichte, Beschreibung, Brief) müssen die Schülerinnen und Schüler mit den sprachlichen Strukturen im Vorfeld vertraut gemacht werden (z.B. mit Anrede, Schlussformel beim Brief etc.). Außerdem müssen Hilfen für abwechslungsreiche Satzanfänge und Satzmuster für Einleitung, Hauptteil, Schluss etc. und Wortspeicher (z.B. hilfreiche Adjektive oder Verben) gegeben werden. Bei Vorgangsbeschreibungen bieten sich Bilder zum Ablauf des Vorgangs an, die im Vorfeld geordnet werden können und zu denen im Anschluss daran passende Stichwörter zugeordnet werden. Erst dann erfolgt die ausführliche Beschreibung des Vorgangs in ganzen Sätzen. Vor der Textproduktion sollten die Schülerinnen und Schüler mit dem Thema vertraut gemacht und mit ihnen gemeinsam Wortschatz gesammelt werden. Dazu bieten sich Mindmaps mit Wörtern, Ausdrücken und Satzbausteinen etc. an. Im Anfangsunterricht kann man dies bereits für die persönliche Vorstellung oder zum Thema Jahreszeiten erstellen. Oft fallen den Lernenden nur Nomen ein. Dann kann die Lehrkraft durch gezielte Fragen versuchen, das Mindmap durch Adjektive, Verben und Redemittel anzureichern. Auch die Sinne sollten v.a. beim Thema Jahreszeiten oder bei der Arbeit mit Bildimpulsen miteinbezogen werden. Dazu kann man kleine Karten mit Symbolen von Auge, Nase, Mund und Hand an die Tafel o.ä. hängen. Um eine Geschichte zu einer Person zu schreiben, die als Bild in der Mitte der Tafel hängt, müssen die Lernenden Ideen zu W-Fragen (wer, wann, wo, was…) beantworten. Um Freude am Schreiben zu vermitteln, können auch Gruppenschreibspiele eingesetzt werden. Dabei erhält jede Gruppe (3-4 TN) einen Würfel, wobei die jeweilige gewürfelte Punktzahl der Suche nach einem Wort einer bestimmten Wortart entspricht. Die teilnehmende Personen würfeln zehn Mal und sollen bei eins ein Verb, bei zwei ein trennbares Verb, bei drei ein Nomen, bei vier eine Zahl, bei fünf ein Adjektiv und bei sechs eine Präposition (im zweiten Lernjahr eine Konjunktion) finden. Mit den gefundenen Wörtern schreibt die Gruppe dann eine kleine Geschichte zu einem vorgegebenen Thema (z.B. Fasching, Herbst …). Jede Gruppe präsentiert abschließend ihre Geschichte. Aufgabenformate, die man aus dem „Kreativen Schreiben“ kennt (wie z.B. das Verfassen eines Tagebucheintrags aus der Sicht einer Figur aus einer Geschichte/Lektüre oder eines Dialoges zu einem Bild, auf dem mehrere Personen in einer bestimmten Situation zu sehen sind, oder Parallelgedichten), können aus der Deutschdidaktik übernommen werden. Allerdings sollten die Schülerinnen und Schüler zuvor sprachliche Hilfen als Wortspeicher, in Form von Satzanfängen, oder als zuvor erarbeitetes Mindmap erhalten, um der Aufgabe gewachsen zu sein. Sinnvoll ist es, den neuen Wortschatz dabei an der Seitentafel festzuhalten, so dass er von den Lernenden in ihre Vokabelhefte übertragen werden kann. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, zu Gegenständen, die die Lehrkraft mitgebracht hat, schreiben zu lassen. Die Lernenden sitzen im Stuhlkreis und wählen sich einen Gegenstand aus, der sie anspricht. In Einzelarbeit beantworten sie W-Fragen zu dem Gegenstand. Im Anschluss daran schreiben sie über diesen Gegenstand in Ich-Perspektive: „Ich bin 10 Jahre alt und wohne im Schrank von Sabine….“. Auf Anfängerniveau kann auch ein fiktiver Dialog mit dem Gegenstand aufgeschrieben werden: „Wie heißt du?“ Ich heiße…“ Woher kommst du?“…Als Gedichtformen bieten sich Elfchen (1. Zeile1 Wort, 2. Zeile 2 Wörter, 3. Zeile 3 Wörter, 4. Zeile 4 Wörter, 5. Zeile 1 Wort) zu einem vorgegebenen Thema, Akrostichons (1 Wort wie z.B. Sommer wird senkrecht geschrieben. Zu jedem Buchstaben soll ein neues, zu Sommer passendes Wort gefunden werden), ABC Gedichte (ABC senkrecht untereinander schreiben und zu einem Thema - z.B. Heimat - werden zu jedem Buchstaben passende Wörter waagerecht dazu geschrieben). Beim Schreiben sollen die Lernenden ihr Wörterbuch benutzen. Vor der Präsentation kann die Lehrkraft den Text ggf. so verbessern, dass er verständlich wird (zum Artikel Umgang mit Fehlern). Das Vorlesen der eigenen Texte erfolgt auf freiwilliger Basis. Die Texte sollten von den teilnehmenden Personen und der Lehrkraft gewürdigt werden: „Was hat dir gut gefallen?“