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Tipps und Tricks

Ausspracheübungen sind immer in den sonstigen Sprachunterricht zu integrieren (z. B. Wortschatzarbeit / Wortakzent, Satzbauübungen/Satzakzent, Satzarten und Interpunktion/ Intonationsübungen, Gedichte und Musik/Rhythmusübungen). Eine Aussprachelerneinheit sollte als fester Bestandteil im Unterricht eingebettet sein und den zeitlichen Rahmen von 20 Minuten nicht übersteigen. Es empfiehlt sich auch hier, mit vielen Sinnen zu arbeiten (Einsatz von Tonträgern, Filmen, Musik, Bildern, Gesten/Bewegungen, Spielen, Rhythmusinstrumenten). Im Folgenden werden typische Ausspracheschwierigkeiten aufgeführt und mit Übungen zur Behebung sowie Erklärvideos angereichert.


Verwendung von Tonhöhen
Die deutsche Sprache gehört zu den Intonationssprachen. Diese verwenden Tonhöhenverläufe vor allem zur Markierung von Satzmodi: Peter möchte gerne Pizza essen. - Möchte Peter gerne Pizza essen? Im Gegensatz dazu gehören Chinesisch, Vietnamesisch und viele afrikanische Sprachen zu den Tonsprachen. Letztere verwenden Tonhöhe als Bestandteil der Wortbedeutung, aber nicht zur Markierung von Satzmodi. Bei diesen Lernerinnen und Lernern ist im Deutschen oft keine Satzintonation zu hören oder es werden Intonationssprünge innerhalb von Wörtern gemacht.

FILM Logo Übung: Tonhöhenverläufe vorsprechen und gestisch, visuell unterstützen
Um die kommunikative Funktion einzuüben, hören die Lernenden vorgesprochene Aussagen und Fragen und antworten darauf:
„Das ist ein Stuhl.“ - „Aha!“
„Das ist ein Stuhl?“ - „Ja, natürlich!“
Ziel: Funktion von Tonhöhenverläufen im Satz bewusst machen


Rhythmus
Im Deutschen sind zwischen zwei Satzbetonungen zeitliche Intervalle, die ca. gleich lang sind, aber die Anzahl der dazwischen liegenden Silben variiert. Die Folge davon ist die Reduktion und Auslassung von Silben. Romanische Sprachen und Chinesisch z.B. zählen zu den silbenzählenden Sprachen. Die Silben sind dort also immer gleich lang und die Satzakzentuierung ist auf einer bestimmten Position festgelegt (z.B. am Phrasenende), generell werden die Silben nicht reduziert.

FILM Logo Übung 1: Sprich den Vers mit und klatsche dabei den Takt (Am besten den Vers in einer Tabelle veranschaulichen).

Gro- ße Uhren machen Tick - Tack -
Die kleinen Uhren machen  immer  Tick Tack Tick Tack
Und die winzig  kleinen  Uhren  machen immer  TickeTacke TickeTacke TickeTacke Tick!

 

FILM Logo Übung 2: Rhythmuslokomotive
Die Lernerinnen und Lerner stellen sich in einer Reihe hinter der Lehrperson auf. Die Reihe bewegt sich wie ein Zug durch das Klassenzimmer; im Rhythmus der Schritte werden z.B. die Sätze gesprochen; nach einer Weile wird das Tempo variiert: mal fährt der Zug langsamer, mal schneller.
Beispielsätze hierfür sind:

 Tim   sieht  ein  Pferd.
 Peter  erspäht  eine  Ente.
 Erika  erblickte  einen  Schmetterling.

 

Ziel: Anbahnung Reduktion und Auslassung von Silben


Wortbetonung (Wortakzent)
Im Deutschen wird die Silbe, die die Wortbedeutung trägt, meist betont. Die Betonung bleibt auf dieser Silbe.

FILM LogoÜbung 1: Betonung mit Händen veranschaulichen
Um die unterschiedliche Stärke der Betonung einzelner Silben zu unterstreichen, wird beim Sprechen jede Silbe von einer Geste begleitet. Eine unbetonte Silbe wird leise geklatscht, bei einer betonten Silbe wird mit der Faust auf die Handfläche geschlagen. Um die Betonung der Silben auf Wortkarten zu zeigen, können unbetonte Silben mit einem kleinen Punkt, betonte Silben mit einem großen Punkt markiert werden.

FILM LogoÜbung 2: Hauptakzent auf Tisch klopfen
Beim Sprechen der Wörter klopfen die Lernenden bei der Hauptakzentsilbe auf den Tisch.
Übung 3: Wortakzentmuster erkennen
Um die Betonung der Silben auf Bild- oder Wortkarten zu veranschaulichen, werden unbetonte Silben mit einem kleinen Punkt, betonte Silben mit einem großen Punkt markiert. Wörter können Akzentmustern in einer Tabelle zugeordnet werden.

MeloneBKRS

Ziel: Bewusstmachen der Stammbetonung


Satzakzentuierung und Fokus
Übung 1: Regeln bewusst machen durch Vorsprechen
Die Lehrperson spricht einen Satz vor, der sich langsam aufbaut. Die Kinder sollen jeweils sagen, welches Wort am stärksten betont ist: z.B.: Lisa - Lisa isst einen Kuchen - Lisa isst einen Kuchen mit Sahne (das letzte Wort ist immer betont) und dann: Lisa hat Kuchen mit Sahne gegessen (der Akzent bleibt auf "Sahne")
Übung 2: Nachsprechen
Ein Satz wird von hinten aufgebaut, z.B. Sahne - mit Sahne - Kuchen mit Sahne - isst Kuchen mit Sahne - Lisa isst Kuchen mit Sahne
Übung 3: Eine Fliege krabbelt über den Tisch (Artikulationsübung)
Während des Sprechens eines Satzes krabbelt die Hand des/der Lernenden wie eine Fliege über den Tisch. Beim Hauptakzent des Satzes bildet die Hand eine Faust und schlägt auf den Tisch (Hauptakzent). Danach krabbelt die Hand weiter über den Tisch.
Ziel: Hauptakzent in einem Satz identifizieren


FILM LogoVokallänge
Um die Länge von Vokalen deutlich hörbar zu machen, eignen sich in besonderem Maße Minimalpaare an, wie z.B. Miete - Mitte, Beet - Bett. In einer ersten Übung werden die Minimalpaare mit Gestik unterstützt vorgesprochen (Eintauchübung). Bei der zweiten Übung wird nur noch jeweils ein Wort des Minimalpaares vorgesprochen und die richtige Vokallänge soll angekreuzt werden (Diskriminationsübung). Diese Ausspracheeinheit lässt sich gut mit Dehnungs- und Schärfungsschreibregeln kombinieren.
Ziel: lange und kurze Vokale unterscheiden lernen


Konsonanten am Wortende
Viele Wörter der deutschen Sprache enden mit einem Konsonanten (Hund, Stift, Tisch). In anderen Sprachen gibt es dagegen am Wortende keinen Konsonanten, sondern nur Vokale (z.B. Italienisch). Daher hängen diese Lernende an das Wortende noch einen Vokal an.
Übung 1: Vokale "abfangen"
Schülerinnen und Schüler sprechen ein Wort mit Konsonant am Wortende laut aus und legen gleich nach dem Konsonanten am Wortende die Hand auf den Mund, um den Vokal „abzufangen“.
Übung 2: Bewusstmachen des Konsonanten am Wortende
Der Konsonant am Wortende wird zunächst übertrieben lang gesprochen und dann immer weiter verkürzt. Dies kann mit einer Geste unterstützt werden. Schließlich wird das Wort mit kurzem Konsonant ohne Vokal am Schluss gesprochen.
Ziel: Anhängen von Vokalen am Wortende vermeiden


Der R-Laut
Der Buchstabe r wird nur dann als FILM Logo Konsonant ausgesprochen, wenn er im Silbenanlaut steht, z.B. Reise, grau; sonst wird er als Vokal realisiert, der ähnlich wie /a/ klingt, z.B. Uhr, Mutter. In vielen Sprachen wird der R-Laut (wenn vorhanden) immer als Konsonant realisiert, z.B. Italienisch, Arabisch, Spanisch, Französisch, Russisch, Türkisch. Im FILM LogoFilm wird die Bildung des konsonantischen R kurz erklärt.


FILM LogoÜbung: R-Laut Varianten zuordnen
Höre die Wörter und markiere, welches /r/ wie ein Konsonant klingt. Dieser Laut wird durch sogenanntes Gurgeln erzeugt. Das vokalische /r/ klingt wie ein /a/, z.B. runter, vor, für, sehr, Vater. Wörter, in denen beide R-Laute vorkommen sind z.B. Lehrer, Fahrer.
Ziel: Bewusstmachen der zwei R-Varianten im Deutschen


Vokalübergänge und Vokalneueinsatz (Knacklaute)
In betonten Silben, die mit einem Vokal beginnen, wird ein Knacklaut eingefügt. Die Verständlichkeit kann durch die Verschleifung von Wortgrenzen beeinträchtigt werden (z.B. beim Essen – beim Messen); oft auch wird der Knacklaut mit dem /h/ verwechselt, sowohl beim Hören als auch beim Sprechen (z.B. Hanna-Anna).


FILM Logo Übung: Satz mit und ohne Knacklaute vorsprechen
Die Lehrperson liest einen Satz mit vielen Knacklauten vor; z.B. „Ich esse oft Äpfel und anderes Obst.“ dann liest sie den Satz noch einmal ohne Knacklaute vor (Achtung, das muss man üben!). Unterstützt wird die Betonung des Knacklautes mit einem leichten Husten.
Etwas einfacher vorzusprechen sind Wörter wie „Be´amter, The´ater“ einmal mit und einmal ohne Knacklaut.

 

FILM Logo Übung: "Der Fernflüsterer"
Die Lehrkraft schreibt Minimalpaare (z.B. heiß-Eis, Hanna-Anna, Haus-aus für /h/ und Knacklaut) auf kleine Karteikarten und schreibt die Wortpaare auch an die Tafel. Jeweils nur eines der Wörter pro Wortpaar wird an eine Person gegeben. Diese Person muss nun einer weiteren Person quer durch den Raum zuflüstern, welches Wort auf der Karte steht: die weitere Person unterstreicht das Wort, das sie oder er gehört hat, an der Tafel: ist es das Richtige? Diese Übung ist auch geeignet für das Einüben von Plosivaspiration (z.B. Pass-Bass, Karten-Garten, Tank-Dank).

Ziel: Existenz des Knacklautes bewusstmachen


Die Bildung der Umlaute Ü und Ö
Der Umlaut Ü (Hüte – Hütte) wird an der gleichen Stelle gebildet wie der Vokal I (Miete – Mitte): im Vorderzungenbereich. Einzig die Lippenrundung macht aus dem I-Laut den Ü-Laut. Analog dazu verhält sich der E-Laut, der durch gerundete Lippenstellung zum Ö-Laut wird. Im FILM Logo Film  sieht man, wie durch die Veränderung der Lippenrundung der Ü- und der Ö-Laut entstehen.
Übung: Bildung der Laute mit gestischer Unterstützung
Durch Gestik kann die Bildung der Umlaute, deren Artikulation vielen Lernern schwer fällt, visualisiert und somit erleichtert werden. Die Rundung der Lippen wird den Lernern bewusst gemacht.
Ziel: Bildung des Ü- und Ö-Lautes


Die Bildung des Ach-Lautes
Die Artikulation des Ach-Lautes kann einfacher erfolgen, wenn den Lernern vorher das konsonantische R vermittelt wurde.
Der Artikulationsort beider Laute ist identisch, allerdings wird der Ach-Laut ohne Stimme produziert. Er klingt dann so, als ob das konsonantische R geflüstert wird.


FILM Logo Übung: Ach-Laut erzeugen
Ziel: Artikulationsstelle des Ach-Lautes bewusstmachen


FILM Logo Die Bildung des Ich-Lautes
Die Vokale A, E, I, O, U werden gesprochen. In einem nächsten Schritt werden die Vokale geflüstert. Der Fokus wird nun auf das geflüsterte /i/ gelegt, um den Ich-Laut zu erzeugen. Der Ich-Laut wird ohne Stimme produziert.
Übung: Ich-Laut erzeugen
Ziel: Artikulationsstelle des Ich-Lautes bewusstmachen


Plosive
Kommen /p,t,k/ vor einem Vokal, ohne dass ihnen noch ein Konsonant in der gleichen Silbe vorangeht oder nachfolgt, werden sie ´behaucht´ (hörbarer Luftstoß). Fehlt diese Behauchung (Aspiration), kommt es bei deutschen Hörerinnen und Hörern zu Problemen bei der Wahrnehmung und Unterscheidung von /p,t,k/ und /b,d,g/. Italienisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch haben z.B. keine Aspiration.


FILM Logo Übung: Plosive durch Aspiration mithilfe von Papierkügelchen erzeugen
Die Lehrkraft wählt Minimalpaare mit p-b, t-d und k-g aus. (Pass – Bass, Tank – Dank, Kasse – Gasse). Sie legt sich ein Papierkügelchen auf den Handrücken. Bei der Aussprache von p, t und k sollte das Papierkügelchen herunterfallen, bei b, d und k nicht.
Ziel: Bildung von Plosivlauten