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Bei den Ausspracheübungen unterscheidet man spezifische Übungen zum Hören sowie zum (Aus-)Sprechen. In beiden Kategorien differenziert man zwischen den vorbereitenden und den angewandten Übungsformaten.

Typologie Ausspracheschulung
Zentral: Hören kommt vor Sprechen, denn was man nicht wahrnimmt, kann man auch nicht produzieren oder nachsprechen.

 

 

 


1. Eintauchübung

Diese Übungsform sensibilisiert die Lernerinnen und Lerner, sich mit der Aussprache auseinander zu setzen und kann als immer wiederkehrende Einstimmung für ein Aussprachetraining verwendet werden. In der Übungstypologie kann diese Form der Übungen gegebenenfalls auch entfallen.

Ziel: Die Schülerinnen und Schüler sollen in den Klang der Zielsprache Deutsch eintauchen. Dazu ist es nicht erforderlich, die einzelnen Wörter zu verstehen. Hier soll das Gehör sensibilisiert werden.

Vorgehen: Texte, die Wörter mit kurzen und langen Vokalen beinhalten, langsam und deutlich vorlesen.

FILM Logo Beispiel zur Unterscheidung von kurzen und langen Vokalen:
Eine Geschichte, die Wörter mit möglichst vielen langen und kurzen Vokalen enthält, wird vorgelesen. Zuerst werden die Tiernamen mit langem Vokal genannt, dann die Tiernamen mit kurzem Vokal. „Im Zoo gibt es viele Tiere: Tiger und Kühe, Ziegen und Vögel, Löwen und Bären, Schafe und Esel.Und dann gibt es noch Affen und Giraffen, Schlangen und Fische, Frösche und Hunde, Katzen und Spatzen.“


2. Diskriminationsübung

Dieses Übungsformat ist besonders wichtig. Daher kann die Phase häufiger, länger und auch immer wieder notwendig sein. Zentral ist hier, die Aktion beständig mit Visualisierung zu verknüpfen.

Ziel: Die Schülerinnen und Schüler lernen, deutsche Laute, Intonations- und Akzentmuster voneinander zu unterscheiden.

Vorgehen: Bei der Unterscheidung von Lautsegmenten sollte mit Minimalpaaren gearbeitet werden (Miete – Mitte).

Bei der Übung zum Satzakzent sollten kontrastierende Satzbetonungsmuster verwendet werden (Das IST ein Mann. - Das ist ein MANN.)

FILM Logo Beispiel zur Unterscheidung von langen und kurzen Vokalen:
Die Lehrkraft spricht Minimalpaare vor, unterstützt dabei gestisch die Länge und Kürze des Vokals. Die Lernenden hören und sehen zu. Ziel ist hier die Überprüfung der Diskriminationsfähigkeit der Lernenden.

3. Identifikationsübung

Sprachbesonderheiten bzw. -unterschiede zwischen Herkunftssprache und der deutschen Sprache zu identifizieren, ist zentral für den weiteren Lernerfolg. So kann das Finden eines Rhythmus zentral für Lernende mit einer silbenzählenden Herkunftssprache (z. B. Chinesisch) sein.

Ziel: Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, Laute auch ohne Kontrast mit nur einem anderen Laut zu identifizieren.

Vorgehen: Es werden nun nicht mehr Minimalpaare, sondern vielfältige Wörter genommen, in denen der zu diskriminierende Laut vorkommen.

FILM Logo Beispiel zur Unterscheidung von langen und kurzen Vokalen:
Die Lehrkraft spricht verschiedene Wörter mit unterschiedlichen Vokallängen vor. Die Lernenden identifizieren, ob das Wort einen langen oder kurzen Vokal enthält und demonstrieren das durch die jeweils passende Geste.

4. Angewandte Hörübungen

Bei der angewandten Hörübung stehen nicht mehr nur die rein phonetischen Aspekte des Hörens im Vordergrund, sondern das verstehende Verarbeiten der phonetischen Informationen. Für den Bereich der Lang- und Kurzvokale soll beim Hören nicht nur erkannt werden, ob der gehörte Vokal lang oder kurz ist. Vielmehr soll auch der Sinn von Wörtern anhand dieser Information erschlossen werden.

Durchführung: Die Lernenden hören Aussagen, in denen der Inhalt nur bei korrektem Hören verstanden und in anderen Worten wiedergegeben werden kann. Wichtig ist, dass der Sinn nicht durch reines Weltwissen erschlossen werden kann.

Beispiel für Lang- und Kurzvokale:
Hier wird eines der beiden in Klammern angegebenen Wörter in den Satz eingebaut. Die Lernenden sollen durch Hören entscheiden, welche Aussage (a oder b) sinngemäß zum Gehörten passt.
Der Hund liegt im _______________ .   [Beet/Bett]
Welche Aussage passt?
a) Der Hund liegt im Garten.
b) Der Hund liegt im Schlafzimmer.
Ich habe 2000 Euro für die _________________ [Hüte/Hütte] bezahlt.
Welche Aussage passt?
a) Ich habe mir mehrere Kopfbedeckungen gekauft.
b) Ich habe mir ein kleines Häuschen gekauft.

5. Einfache Nachsprechübungen

In diese Übungsform einzusteigen lohnt sich erst, nachdem die Diskriminationsübungen erfolgreich sind.

Durchführung: Die Lehrkraft spricht Wörter oder Sätze vor und die Lernenden wiederholen sie. Dies eignet sich in der Gruppe auch zum Abbau der Sprechhemmung. Alternativ kann, vor allem auch bei älteren Lernenden, mitgemurmelt werden lassen. Gestische und artikulatorische Hilfsmittel erleichtern die richtige Aussprache und führen zu schnellen Erfolgserlebnissen. So kann z. B. angezeigt werden, dass beim I, E und Ä die Zunge vorne ist.

FILM Logo Beispiel: Genaues Beobachten der Lippenbewegung und Zungenstellung
Die Lehrkraft spricht ein Wort sehr deutlich aus und lässt die Lernenden von der Seite beobachten, wie die Lippenbewegung ist und wo sich die Zunge dabei befindet. In einem weiteren Schritt können die Lernenden das Wort nachsprechen, sich dabei gegenseitig beobachten und Tipps geben.


6. Kaschierte Nachsprechübungen

Bei diesen Übungen werden Laute, Akzentmuster etc. im Kontext angewendet und nicht mehr genauso nachgesprochen, wie sie vorgesprochen werden. So werden in einem bestimmten Muster z. B. verschiedene Wörter, die die zu übenden Laute enthalten, eingesetzt.

Beispiel: Kontrastive Betonung im Satz
Die folgenden Aussagen sind falsch. Formuliere eine Berichtigung. Welches Wort muss am stärksten betont werden?
Beispiel: Die Sonne ist dunkel - Nein, die Sonne ist hell.
Alle Hunde haben drei Beine.
Tomaten sind blau
Mit einer Gabel kann man Sachen zerschneiden.
Ein Ball ist viereckig.

Vordergründig suchen die Lernenden hier die Fehler. Wert wird jedoch auf die Betonung der zentralen Aussage (im Beispiel unterstrichen) gelegt.


7. Produktive Sprechübungen

Bei dieser Übungsform wird ein Teil von der Lehrkraft vorgegeben und ein weiterer Teil soll von dem Lernenden ergänzt werden. Dies lässt sich gut mit Grammatik verbinden (z. B. Singular-Plural, Genus).

Beispiel: konsonantisches und vokalisches R
das Tier - _________________; die Uhren - _________________
Beispiel - Umlaut
das Haus - _________________; die Büsche - _________________
Beispiel - Ich- und Ach-Laut
das Buch - _________________; die Löcher - _________________
Beispiel - Auslautverhärtung
der Hund - _________________; die Berge - _________________

8. Angewandte Sprechübungen

Durch das Vorlesen bzw. Vortragen von Texten übt man vielfältig. Hier können Texte vorbereitet werden, z.B. durch das Markieren von Vokallängen, Wortakzentmustern oder Intonationsmustern. Wichtig ist, dass jeweils nur EIN Fokus gelegt wird.