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"Fachliches und sprachliches Lernen stehen im Unterricht in enger Wechselwirkung. Da jeder Unterricht und das Lernen in der Schule in besonderer Weise auf Lese- und Schreibkompetenz der Schülerinnen und Schüler angewiesen sind, entwickelt der Unterricht in allen Fächern die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen weiter und fördert sie. Ziel ist es, die alltagskommunikativen und die fachsprachlichen Kompetenzen so zu erweitern und zu festigen, dass das differenzierte Verstehen und Darstellen von Sachverhalten erweitert wird und sprachlich bedingte Lernhemmnisse abgebaut werden. Das ist besonders erfolgreich, wenn die sprachliche Förderung in Zusammenhang mit dem übrigen Unterricht gebracht wird. Lese- und Schreiberziehung und der verstehende Umgang mit Texten sind deshalb leitende Prinzipien des gesamten Unterrichts." Lilo Verboom: Aufbau einer fachbezogenen Sprache im Fachunterricht, Symposium Mathe 2000 der TU Dortmund, 2008

Das Institut für Schulentwicklung in Bayern (ISB) hat Leitlinien für Übergangsklassen an Hauptschulen für die Fächer Mathematik, Sachunterricht, GSE, PCB, Kunst und Ethik veröffentlicht.


Sachunterricht

Die Inhalte im Fach Sachunterricht in den Übergangsklassen sind kombiniert aus dem Fach HSU des Lehrplans der Grundschule und aus den Fächern PCB und GSE des Lehrplans der Mittelschule. In der Übergangsklasse 9 sollte man sich dabei an den Themen der 8. Klasse orientieren. Schreiben die Schülerinnen und Schüler allerdings den Mittelschulabschluss mit, müssen sie den Stoff der 9. Klasse in GSE (oder PCB) bearbeiten.

Der Unterricht ist im Prinzip ein Deutschunterricht, der sich an Sachthemen orientiert. Dieser ist geprägt durch Wortschatzerweiterung und Vermittllung von Fachinhalten oder Wortschatzerweiterung durch Vermittlung von Fachinhalten. Hilfreich ist hier, wenn Fachbegriffe immer mit Artikel und Plural eingeführt werden und schriftlich festgehalten werden. Die Veranschaulichung der Lerninhalte mit Hilfe von Bildern, Schaubildern zum Beschriften und kurzen Filmen ist unerlässlich. Im Sachunterricht sollte dabei, wie sonst auch, sehr praktisch gearbeitet werden, wie z.B. Versuche zum Thema Wasser, dem Boden oder der Temperatur. Diese Handlungsorientierung kommt zum einen jüngeren Schülerinnen und Schülern entgegen, zum anderen ist sie für alle Schülerinnen und Schüler mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen eine wohltuende Entlastung. Zudem ist Handlungsorientierung eine gute Methode, um neue Wörter oder eben Handlungen gut im Gedächtnis zu verankern. Empfohlen wird eine Kombination von Themen im Deutschunterricht (vor allem sprachliche Strukturen) mit Themen in Sachunterricht. Bei der Wahl der Lerninhalte im Sachunterricht sollte darauf geachtet werden, dass die Themen, die weniger Wortschatz und die Kenntnis nur weniger sprachlicher Strukturen verlangen, zu Beginn des Schuljahres gelegt werden: z.B. Thema „Zeit“ zu Beginn des ersten Lernjahres (Wochentage, Monate, Jahreszeiten, Uhrzeit, Tagesablauf). Das Thema „Beim Arzt“ dagegen sollte man erst gegen Ende des ersten Lernjahres behandeln, da der Dativ erst recht spät erworben wird (nach dem Akkusativ).

Hier nun ein paar Beispiele zur Verknüpfung der Themen in den Fächern Sachunterricht und Deutsch:

Sachunterricht

Deutsch

Gesunde Ernährung, Kleidung

Einübung des Akkusativ:

Ich kaufe den Pullover.

Uhrzeit, Tageszeiten

Tagesablauf

Einübung der Tageszeiten und der Inversion, z.B. Um 9 Uhr stehe ich auf (nicht: Ich stehe auf um 9 Uhr).

Lebensmittel, Einkaufen

Einübung des Akkusativ:

Ich wasche den Salat.

Beim Arzt

Körper, Körperteile

Einübung des Dativ: Was tut dir weh?

Mir tut der Kopf weh.

Wo tut es dir weh?

Mir tut es am Bein weh.

Fahrzeuge

das Auto, die Bahn, der Zug, der LKW, das Flugzeug...

Anwendung des Dativ:

Ich fahre mit dem Auto, mit der U-Bahn...

München

Sehenswürdigkeiten

München

Mit dem S-und U-Bahn-Plan Sprechübungen machen: „Ich fahre mit der S2 von … zum …“

 


Arbeitsmaterialien

In den regulären Schulbüchern für HSU oder in den Klick- Heften Biologie vom Cornelsen-Verlag können sie Arbeitsmaterialien für die Grundschule finden. Ebenso gibt es thematische Wortschätze auf etlichen DaZ- Seiten. Im Materialfundus finden Sie eine Zusammenstellung von hilfreichen Links mit zahlreichen Materialien.

Alle oben genannten Materialien können auch in der Mittelschule eingesetzt werden. Zusätzlich werden in der Mittelschule  PCB- und GSE-Bücher benötigt. Leider kann im  1. Lernjahr kaum auf PCB und GSE-Bücher zurückgegriffen werden, da die Texte zu schwierig und zu lang sind. Folgendes Material kann kostenlos für alle Schülerinnen und Schüler bestellt werden und eignet sich für den Einsatz ab Ende des ersten bis Anfang des zweiten Lernjahres.

Um die Arbeitsblätter nutzen zu können, müssen sich die Lehrkräfte registrieren. Die Nutzung ist für die Lehrkräfte kostenfrei.


Mathematik

Im Mathematikunterricht spielt nicht nur die Vermittlung der mathematischen Inhalte eine große Rolle, sondern auch die sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Die Alltagssprache unterscheidet sich deutlich zu einem mathematischen Fachwortschatz. „Die 8 ist größer als die 3!“ bedeutet in der Fachsprache die Mengenmächtigkeit und in der alltagssprachlichen Interpretation würden die Größen der Zahlzeichen verglichen werden. Die Lehrkraft muss also für die Lernenden durch die inhaltliche Auswahl ,guter Aufgaben' sowie durch die methodische Auswahl einer geeigneten Kooperationsform immer wieder zu mathematischen Gesprächen anregen. Um sich im Fach Mathematik fachlich korrekt und eindeutig ausdrücken zu können, benötigen die Schülerinnen und Schüler einen umfangreichen mathematischen Fachwortschatz. Konkrete Unterstützungs- und Fördermaßnahmen für die Sprachförderung im Mathematikunterricht sind z.B.

Gute Anregungen für die Sprachförderung im Mathematikunterricht und für Beispiele „Guter Aufgaben“ lassen sich auf der Pik AS-Webseite der TU Dortmund finden. Das Material ist dort so vorbereitet, dass es sofort im Unterricht eingesetzt werden kann. Für die Festigung und Vertiefung der Sprachfertigkeit kann das Heft Prima ankommen, Mathematik 5-7 von Cornelsen Verlage als Hilfe herangezogen werden, denn das Heft verknüpft die Festigung und Vertiefung der Sprachfertigkeit mit wichtigen curricularen Fachinhalten. Eignet sich auch für Seiteneinsteiger.

Weiteres Hilfreiches Material zur Sprachförderung im Mathematikunterricht:

Spiele

 

Hilfreiche Literatur zur Sprachförderung im Mathematikunterricht


Arbeit - Wirtschaft - Technik

In der Mittelschule wird in den Übergangsklassen 7, 8 und 9 auch AWT einstündig unterrichtet. Die Bedeutung des Schulabschlusses in Deutschland ist für viele Schülerinnen und Schüler der Übergangsklassen nicht selbstverständlich. So kann nicht oft genug wiederholt werden, welchen Stellenwert eine Ausbildung hat. Die Inhalte im Fach AWT sind zu Beginn die Berufe, und die Tätigkeiten in den Berufen. Orientiert am Lehrplan für Klasse 5 kann man mit den Schülerinnen und Schüler Interviews mit verschiedenen Berufen durchführen lassen: An der Schule mit der Hausmeisterin oder dem Hausmeister, der Sekretärin oder dem Sekretär, den Lehrerkräften und den Rektorinnen oder Rektor. Auch in der Familie und im Bekanntenkreis oder in der Nachbarschaft der Schule können die Schülerinnen und Schüler Interviews machen. Danach kann eine Einteilung der Berufe in Handwerk, Industrie und Dienstleistung erfolgen. Der Mehrwert der Information durch eine Betriebserkundung gilt natürlich auch für Übergangsklassen. Eine weitere Möglichkeit ist, nach der Vorlage in Beruf aktuell die 400 Ausbildungsberufe nach Tätigkeitsbereichen zu ordnen (im Lehrplan der Mittelschule in Klasse 7). Ein Praktikum ist in der Ü8 und Ü9 ebenso empfehlenswert, damit die Schülerinnen und Schüler möglichst intensiven direkten Einblick in einen Beruf gewinnen und gegebenenfalls bereits eine mögliche Lehrstelle finden. Hier bietet das Fach AWT die Vor- und Nachbereitung in Form von:

Der Besuch der Handwerksmesse im BIZ ist eine weitere Möglichkeit, des konkreten Kontaktes in die spätere Berufs- und Lebenswert. Bei all diesen Beispielen ist die enge Verzahnung mit Deutsch (Wortschatz, Berichte verfassen, sich vorstellen …) und mit dem Fach Wirtschaft (Erstellen der Bewerbungsunterlagen am PC) immer wieder erkennbar und von großer Bedeutung.


Ethik

Das Fach Ethik in Übergangsklassen bietet den optimalen Rahmen für die interkulturelle und interreligiöse Arbeit. Im ersten Lernjahr können die Feste im Jahreslauf zum Anlass genommen werden, mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen, ihnen deutsche Feste bekannt zu machen und zu erklären und Schülerinnen und Schüler ihre kulturellen Feste vorstellen zu lassen. Die Fachstelle für Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Antidiskriminierung bietet einen Diversity Jahreskalender 2017 an, auf dem sehr viele Feste vieler Religionsgemeinschaften verzeichnet sind. Dieser kann auch kostenfrei auf der Homepage des KM bestellt werden. Auf der Homepage findet sich in der Regel Ende jedes Jahres der aktuelle Kalender. Ein Besuch verschiedener Gebetshäuser in München ist im Fach Ethik von besonderer Bedeutung, da sich in der Klasse Angehörige verschiedener Religionen befinden. Hierzu können Expertinnen und Experten befragt werden oder auch gesondert eingeladen werden.
Der Ethik-Unterricht darf musisch und künstlerisch unterstützt werden, zum einen um diese Ausdrucksform zu nutzen, zum anderen, da die Fächer Kunst und Musik in den Übergangsklassen 8 und 9 nicht unterrichtet werden. Im zweiten Lernjahr sollten sich die Inhalte dann langsam an die vorgeschlagenen Themen des Lehrplans der Regelklasse (ein bis zwei Jahrgangsstufen niedriger) orientieren. Das interkulturelle Lernen ist in einer Übergangsklasse selbstverständlich nicht nur Thema des Ethikunterrichts, sondern kontinuierliches Unterrichtsprinzip. Konkrete Anregungen zu diesem Thema hat das ISB in einem Rundbrief zusammen gefasst.