Unterseiten

 

Ob sich die innere Bereitschaft einer weiterführenden positiven Kommunikation auf beiden Seiten einstellt, entscheidet sich oftmals schon vor dem Erstkontakt mit der Klassenleiterin und dem Klassenleiter.

Zunächst gilt es als Aufgabe der Schule eine Willkommenskultur zu schaffen, in der sich auch Eltern, Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunft und Sprache zurecht finden und wohlfühlen können.


Tipps für die Erleichterung des Erstkontakts zwischen Schule und Familie:

  • Homepage mit wichtigen Modalitäten (Anmeldeformulare, benötigte Unterlagen, Termine) auf verschiedenen Sprachen
  • Optische Signale der Wertschätzung (Flaggen, Begrüßungsformeln in verschiedenen Sprachen) im Schulhaus
  • Standardisiertes Anmeldeverfahren an der Schule – Kennenlernen aller notwendigen Akteurinnen und Akteure (eventuell zwei Anmeldetage schaffen, an dem zu einem gewissen Zeitraum Eltern und Schülerinnen und Schüler, Schulleitung und zukünftige Klassenleitungen in Ruhe kennenlernen können, Türschwellensituation „Du hast eine  neue Schülerin bzw. einen neuen Schüler" vermeiden!)
  • Vorbereitung eines Willkommen-Pakets für Eltern und Schüler_innen (z.B. Kontaktbrief der Klassenleitung mit Foto, Sprechzeiten und Kontaktdaten evtl. in verschiedenen Sprachen, Hausordnung und Schulstandards in vereinfachter Sprache oder in verschiedenen Sprachen, Stundenplan der Klasse und Materialliste)
  • Mentorenprogramm an der Schule; Gemeinsamkeiten aufdecken und nutzen; Eltern helfen Eltern – Schülerinnen und Schüler helfen Schülerinnen und Schüler
  • Organisatorischer Tipp: Überprüfen Sie in regelmäßigen Abständen die Kontaktdaten der Eltern. Oft ändern sich Telefonnummern und Adressen ohne dass dies gemeldet wird. Emailkontakt ist hilfreich durch Internetübersetzungsdienste.

 


Der Elternabend

Elternabende sind zeitintensiv und dennoch eine wunderbare Möglichkeit mit allen Eltern gleichzeitig in Kontakt zu treten, ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln und die Möglichkeit für private Kontakte zwischen den Eltern zu ermöglichen.

Neben dem ersten Elternabend im Jahr, an dem Sie die Schule und deren Besonderheiten vorstellen, bieten sich zahlreiche weitere Themenfelder an, zu denen Themenabende angeboten werden können, z.B. Schullaufbahn und Schulsystem, Verkehrserziehung, die Stadt München und unsere Schule,… Wieso auch nicht den Eltern die Gelegenheit geben, indem sie als Experten zu Religion und Kultur referieren können.

Einladung
Bereits die Einladung zum Elternabend stellt für viele Familien eine große Hürde dar. Halten Sie daher das Einladungsschreiben kurz und übersichtlich, wenn die Möglichkeit für Sie besteht, lassen Sie den Brief in verschiedene Sprachen übersetzen. Eine tolle Möglichkeit des Deutschunterrichtes ist auch, wenn Sie das Potential Ihrer Schüler nutzen und diese mit Ihrer Hilfe den Brief an Ihre Eltern schriftlich übersetzen lassen. Für nicht alphabetisierte Kinder und Eltern sind Zeichnungen von Kalender und Uhrziffernblatt sinnvoll. Achten Sie darauf, keinen Termin an einen kulturellen Feiertag zu legen (interkultureller Kalender für 2017).

Vorbereitungen des Abends

  • Versuchen Sie die Sitzordnung so aufzulösen, dass ein Miteinander stattfinden kann und die Eltern nicht direkt auf womöglich viel zu kleinen Stühlen an die Tafel schauen müssen. Für viele ruft dies unangenehme Erinnerungen hervor. Zudem fühlen sich Eltern durch die Sprachbarriere bereits im Nachteil und sollten sich dann nicht zusätzlich durch ihre Sitzposition degradiert fühlen.
  • Bereiten Sie anschauliches Material mit vielen Bildern und Illustrationen vor. Optische Signale, wie Begrüßungsformeln in verschiedenen Sprachen sind Eisbrecher.
  • Stellen Sie eventuell Getränke (zumindest Wasser) und einen kleinen Snack zur Verfügung. Dies wirkt gastfreundlich und offen.
  • Bereiten Sie eine Spielecke für Kleinkinder vor.
  • Sehen Sie den ersten Elternabend als Werbemaßnahme für sich und die Schule an. Wer sich wohlfühlt, kommt wieder und wird gerne mit Ihnen zusammenarbeiten.

Die Durchführung des Elternabends

  • Versuchen Sie ohne Dolmetscherin oder Dolmetscher auszukommen. An einem Elternabend wird es schwierig werden Ihren ca. 14 Muttersprachen in der Klasse gerecht zu werden. Sehen Sie die Sprachlosigkeit, die sich manchmal einstellt, als Training für beide Parteien und nutzen Sie Mimik, Gestik und Bilder. Viele Eltern nehmen Verwandte oder Bekannte mit, die helfen.
  • Begrüßen Sie jeden mit Namen und einem „Herzlich Willkommen“. Reichen Sie Ihre Hand, Sie werden sehr schnell merken, wenn es Ihrem Gegenüber unangenehm wäre.
  • Lassen Sie den Eltern Zeit anzukommen, stellen Sie Verbindungen zwischen den Eltern her und nutzen Sie die ersten 5-10 Minuten für Small Talk.
  • Achten Sie auf die Bedürfnisse der Eltern, diese stehen vor den vorbereiteten Themen.

Trotz aller Willkommenskultur und Verständnis sind dennoch Sie die Moderatorin bzw der Moderator der Situation.

 


Das Elterngespräch

  • Wenn Sie die Eltern bereits aus Ihren Elternabenden kennen sind Elterngespräche in der Regel wenig problematisch, da beide Seiten wissen, wer den jeweils anderen erwartet. Sollte es der Erstkontakt sein, versuchen Sie ein paar Punkte auch hier mit einfließen zu lassen.
  • Versuchen Sie, je nach Ihrer zeitlichen Flexibilität, auf die zeitlichen Einschränkungen der Eltern durch Arbeit oder Deutschkurs bei der Terminwahl einzugehen.
  • Vermeiden Sie lange Telefonate mit den Eltern, die eventuell zu sprachlichen Missverständnissen führen können, welche im persönlichen Kontakt seltener entstehen.
  • Nehmen Sie sich Zeit und lassen die Eltern ankommen. Beharren Sie nicht auf Pünktlichkeit. Lieber bestellen Sie die Eltern etwas früher und lassen sie etwas warten, wenn Sie anschließend keinen Zeitpuffer haben.
  • Sprechen Sie zuerst über banale Dinge, das Wetter, die Anfahrt, die Familie bevor Sie zur eventuell bestehenden Problematik kommen.
  • Bei schwerwiegenden Fällen und einer großen Sprachbarriere versuchen Sie eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher zu akquirieren. Bei thematischer, kultureller Unsicherheit ziehen Sie eine Expertin oder einen Experten zum Gespräch hinzu.
  • Arbeiten Sie auch hier mit Visualisierungen und Bildern.
  • Gehen Sie nie ohne einen Lösungsansatz aus dem Gespräch, am besten vereinbaren Sie einen Zweittermin, um eine Verbindlichkeit herzustellen.

 


Weitere Möglichkeiten der Elternkommunikation

  • Informelle Gespräche (Pausengespräche, Gespräche vor/ und nach dem Unterricht)
  • Verbindungsheft zwischen Schule und Eltern
  • Hausbesuche (am besten mit Schulsozialarbeit)
  • Kurze Telefonate (Interessensbekundung)
  • Elternfrühstück
  • Internationale Vorlesenachmittage
  • Internationale Filmabende
  • Unterrichtshospitation der Eltern (Wie funktioniert Schule?)
  • Tag der offenen Klassenzimmertür
  • Bastelnachmittage mit Eltern
  • Ausstellungen von Projektergebnissen, gemeinsam erarbeitete Ausstellungen (Länder, Religionen, Kunst,…)