Unterseiten

Die Sache mit der kulturellen Herkunft

Erstaunlicherweise begegnen wir französischen oder amerikanischen Eltern meist ganz anders, als arabischen und bulgarischen Eltern. Wir empfinden sie wohl als weniger fremd und somit gewohnt im gegenseitigen Umgang. Der Erstkontakt verläuft wesentlich unkomplizierter und man findet schneller einen Zugang. Auch wir, als ausgebildete und geschulte Pädagogen sind nicht frei von Vorurteilen und Ängsten, die es aufzudecken und zu durchschauen gilt. Interkulturell erfolgreich arbeiten zu können, beinhaltet, sich zunächst mit sich selbst und dann mit dem Fremden zu beschäftigen. Man sollte einen eigenen Kulturbegriff entwickeln und sich über seine Auswirkungen bewusst sein.

Lehrkräfte sollten dahingehend ihre innere Haltung überprüfen und sich selbst fragen, wie sie Andersartigem gegenüberstehen und ob sie ihr Gegenüber als gleichwertig wahrnehmen können. Eine Zusammenarbeit mit Eltern sollte immer auf Augenhöhe stattfinden können. Sie sehen, es geht weniger darum, die Verschiedenheiten aller Kulturen zu kennen, als vielmehr sich ihrer eigenen Einstellungen und Verhaltensweisen bewusst zu werden. Dazu eignen sich zahlreiche interkulturelle Lehrerfortbildungen, auch sehr geeignet als SchiLf (Schulhausinterne Lehrerfortbildung) für das gesamte Kollegium. Vor allem, weil Probleme im Kontakt mit Eltern oftmals nicht aufgrund der kulturellen Verschiedenheit entstehen, sondern meist durch Bildungsferne und Armutsproblematiken verursacht werden.
Sicherlich zeichnet es Lehrkräfte aus, wenn sie offen gegenüber jeder Kultur sich Wissen dazu aneignen. Die Wertschätzung und die Berücksichtigung des kulturell anderen ist zwingend notwendig. Doch wird diese Rücksicht auch oft missverstanden oder übertrieben ängstlich angewandt. So werden sie zum Beispiel lesen, dass in vielen Kulturen ein Besuch der Eltern in der Institution Schule undenkbar wäre, vielmehr kommt die Lehrkraft nach Hause zur Familie. Des Weiteren kann man in Erfahrung bringen, dass Frauen Männern vielerorts im Gespräch nicht in die Augen sehen oder ihnen gar die Hand reichen dürfen. Wollen Lehrkräfte nun jedoch wirklich Elterngespräche stets auf der Familiencouch führen und dabei auf den Teppich starren? Vielmehr sollte es doch darum gehen, den Eltern ein langsames und gelenktes Ankommen – kein abruptes Überstülpen- in unseren kulturellen Gewohnheiten zu ermöglichen. Dies kann nur durch Vorleben dieser Kommunikation und Wertschätzung des Anderen erfolgen. Wie wäre es für uns, wenn wir als Eltern in einer amerikanischen Schule von der Lehrkraft in Dirndl und Lederhose mit Sauerkraut zum Elterngespräch begrüßt werden, weil sie gelesen haben, dass die Deutschen so sind?