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Ziel einer gelingenden Erziehungspartnerschaft ist eine nachhaltige Kooperation zwischen den Akteuren, ein Gemeinschaftsgefühl und eine funktionierende Kommunikation von Schule und Familie. Vor allem im interkulturellen Zusammenarbeiten gestaltet sich der Anfang des gemeinsamen Weges schwierig. Diese Herausforderung zu meistern, kann von der einzelnen Lehrkraft kaum geleistet werden. Hier ist die gesamte Schulfamilie inklusive Schulleitung, Verwaltung und Kollegium gefordert. Eltern, die ihr Leben neu in Deutschland beginnen, sind sich oftmals über ihre Rechte und Pflichten, die Erwartungshaltungen der Schule ihnen gegenüber und den daraus resultierenden Aufgaben nicht bewusst. Sie sind von diesem, für uns schon oft schwer verständlichen System überfordert. Dennoch wäre es vor allem für diese Familien verhängnisvoll, wenn ihnen nicht kontinuierlich die Möglichkeit eingeräumt wird, sich als Teil der Schulgemeinschaft wohlzufühlen, sich gegenseitig wertzuschätzen und ihnen folglich auch die Verantwortung für die gemeinsamen Ziele vorenthält. Geduld, Verständnis aber auch Vehemenz seitens der Schule und Lehrkräften sollten hier die anfänglichen Prämissen sein.

Zu Beginn drei grundlegende Stolpersteine


Die Sache mit der Vorbereitung

Um Eltern und deren Verhalten und nicht zuletzt dadurch auch die Schülerin und den Schüler zu verstehen, helfen Antworten auf folgende Fragen:

Die Klärung dieser Fragen gestaltet sich zunächst vor allem in Anfängerklassen schwierig. Bevor die Lehrkraft jedoch eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher zum „Verhör“ bitten, reichen für den Anfang positive Augenblicke um das Vertrauensverhältnis zu festigen. Mehr dazu finden Sie unter Elternkommunikation. Unterstützend können hier "Bildungsbrückenbauer" sein, die nicht dolmetschen, sondern gegenseitiges Verstehen anbahnen.


Die Sache mit der kulturellen Herkunft

Erstaunlicherweise begegnen wir französischen oder amerikanischen Eltern meist ganz anders, als arabischen und bulgarischen Eltern. Wir empfinden sie wohl als weniger fremd und somit gewohnt im gegenseitigen Umgang. Der Erstkontakt verläuft wesentlich unkomplizierter und man findet schneller einen Zugang. Auch wir, als ausgebildete und geschulte Pädagogen sind nicht frei von Vorurteilen und Ängsten, die es aufzudecken und zu durchschauen gilt. Interkulturell erfolgreich arbeiten zu können, beinhaltet, sich zunächst mit sich selbst und dann mit dem Fremden zu beschäftigen. Man sollte einen eigenen Kulturbegriff entwickeln und sich über seine Auswirkungen bewusst sein.

Lehrkräfte sollten dahingehend ihre innere Haltung überprüfen und sich selbst fragen, wie sie Andersartigem gegenüberstehen und ob sie ihr Gegenüber als gleichwertig wahrnehmen können. Eine Zusammenarbeit mit Eltern sollte immer auf Augenhöhe stattfinden können. Sie sehen, es geht weniger darum, die Verschiedenheiten aller Kulturen zu kennen, als vielmehr sich ihrer eigenen Einstellungen und Verhaltensweisen bewusst zu werden. Dazu eignen sich zahlreiche interkulturelle Lehrerfortbildungen, auch sehr geeignet als SchiLf (Schulhausinterne Lehrerfortbildung) für das gesamte Kollegium. Vor allem, weil Probleme im Kontakt mit Eltern oftmals nicht aufgrund der kulturellen Verschiedenheit entstehen, sondern meist durch Bildungsferne und Armutsproblematiken verursacht werden.
Sicherlich zeichnet es Lehrkräfte aus, wenn sie offen gegenüber jeder Kultur sich Wissen dazu aneignen. Die Wertschätzung und die Berücksichtigung des kulturell anderen ist zwingend notwendig. Doch wird diese Rücksicht auch oft missverstanden oder übertrieben ängstlich angewandt. So werden sie zum Beispiel lesen, dass in vielen Kulturen ein Besuch der Eltern in der Institution Schule undenkbar wäre, vielmehr kommt die Lehrkraft nach Hause zur Familie. Des Weiteren kann man in Erfahrung bringen, dass Frauen Männern vielerorts im Gespräch nicht in die Augen sehen oder ihnen gar die Hand reichen dürfen. Wollen Lehrkräfte nun jedoch wirklich Elterngespräche stets auf der Familiencouch führen und dabei auf den Teppich starren? Vielmehr sollte es doch darum gehen, den Eltern ein langsames und gelenktes Ankommen – kein abruptes Überstülpen- in unseren kulturellen Gewohnheiten zu ermöglichen. Dies kann nur durch Vorleben dieser Kommunikation und Wertschätzung des Anderen erfolgen. Wie wäre es für uns, wenn wir als Eltern in einer amerikanischen Schule von der Lehrkraft in Dirndl und Lederhose mit Sauerkraut zum Elterngespräch begrüßt werden, weil sie gelesen haben, dass die Deutschen so sind?


Die Sache mit der Schulpflicht

Jedes deutsche oder in Deutschland aufwachsende Kind, weiß ziemlich schnell, dass es zwischen 6 und 7 Jahren in die Schule kommt.

Das deutsche Grundgesetz schreibt in Artikel 6 alleinig den Eltern das Recht zur Pflege und Erziehung ihrer Kinder zu. Dennoch unterstehen Kinder, die in Deutschland leben und als wohnhaft gemeldet sind, der Schulpflicht in einem unter Aufsicht des Staates stehenden Schulsystem (GG Art. 7,1). Bereits diese grundlegenden Verpflichtungen sind vielen Eltern aus anderen Herkunftsländern neu. In vielen Ländern dieser Erde ist eine Schulpflicht für Kinder nicht gegeben, mehr noch gilt der Schulbesuch oftmals als Privileg oder ist manchen Schichten gar verboten. Manchmal werden Kinder auch nicht in die Schule geschickt, damit sie den Unterhalt ihrer Familie mitfanzieren, indem sie arbeiten.

Hier liegt es an Ihnen, als Schule und Lehrkraft, Eltern und Schülerinnen und Schüler über Rechte und Pflichten zu informieren. Sie müssen ihnen den Mehrwert von Schule verdeutlichen und die Familie zugleich über die rechtlichen Konsequenzen einer Schulverweigerung (Bußgeldverfahren) aufklären. Bildung des Kindes bedeutet für diese Familien auch oft Bildung für alle und Zugang zur Gesellschaft. Wenn die Eltern aufgrund ihrer zahlreichen Arbeitsverhältnisse vorerst keine Zeit für einen Deutschkurs haben, sind es die Kinder, die Post- und Behördengänge für die Eltern managen. Dies ist jedoch der nächste Spagat, den Lehrkräfte in der Elternkommunikation absolvieren müssen, der jedoch durch ein aufgebautes Vertrauensverhältnis zu meistern ist. Den Eltern muss klar sein, dass sie weiterhin in der Verantwortung stehen, für ihre Kinder umfassend zu sorgen. Das Kind darf nicht zur Dolmetscherin oder zum Dolmetscher für die Familie auf Dauer instrumentalisiert werden. Seien Sie hier rigoros, wenn es um die Bitte um Unterrichtsbefreiung für Behördengänge geht, an erster Stelle steht die Schulpflicht und auch Ihnen sind hier die Hände gebunden. Verweisen Sie auf das Gesetz und verweisen Sie auf kostenlose Dolmetscherinnen und Dolmetscher oder Familienhilfen (siehe Kooperationspartner).